Klonen

Klonen im Islam und in den Staaten des Nahen und Mittleren Ostens

Die Erfolge beim Klonen Ende der 1990er Jahre haben in der islamischen Welt und unter islamischen Rechtsgelehrten zu einer ausführlichen Auseinandersetzung geführt. Im Zentrum der Debatte stand das reproduktive Klonen, insbesondere als die Sekte der Raelianer Ende 2002 verkündete, erstmals einen Menschen geklont zu haben. Das therapeutische Klonen wurde von den Rechtsgelehrten meist wohlwollend betrachtet. Islamische Rechtsgelehrte haben sich detailliert mit dem reproduktiven Klonen auseinandergesetzt und die schariatrechtlichen Argumente dafür und dagegen formuliert. Die Mehrzahl der islamischen Rechtsgelehrten lehnt es als mit dem islamischen Recht unvereinbar ab, vor allem weil es zu Unklarheiten bei der Filiation (nasal) führt. Manche werten es als Ketzerei und Atheismus, wie die Muslim World League (MWL) in einer Erklärung 2003. Eine Reihe von schiitischen Rechtsgelehrten werten es im Einzelfall hingegen als erlaubt. Im Folgenden soll jedoch die Debatte über das therapeutische Klonen dargestellt werden. So vehement wie das reproduktive Klonen von islamischen Rechtsgelehrten verurteilt wird, so entschieden wird von ihnen für das therapeutisches Klonen argumentiert. Islamische Rechtsgelehrte betonen in ihren Stellungnahmen häufig, dass der Islam eine Religion sei, die wissenschaftlichen Fortschritt begrüße und nicht behindere, deshalb zeigen sie sich neuen medizinischen Heil- und Behandlungsmethoden gegenüber sehr aufgeschlossen. Sie betonen den Vorrang des menschlichen Lebens vor anderen Prinzipien.

Veröffentlichung

Fischer, Nils: „Reproduktives und therapeutisches Klonen nach islamischem Recht.“ Newsletter des Kompetenznetzwerks Stammzellforschung NRW (30. September 2009).